Die Auftragseingänge der deutschen Industrie gingen im November unerwartet zurück, da die Auslandsnachfrage schwach war und es an Großaufträgen mangelte. Die Daten zeigten am Mittwoch, dass ein Produktionsrückgang das Wachstum in Europas größter Volkswirtschaft weiterhin bremsen wird.

Die exportabhängigen deutschen Hersteller kämpfen mit einer schleppenden Nachfrage aus dem Ausland sowie mit geschäftlichen Unsicherheiten im Zusammenhang mit Handelsstreitigkeiten und der Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen.

„Das Elend im verarbeitenden Gewerbe geht weiter“, sagte der Ökonom der VP Bank, Thomas Gitzel.

Finanzminister Olaf Scholz sagte Reportern in Berlin, die Situation im Nahen Osten sei „sehr gefährlich“ geworden. Er rechne jedoch nicht mit wesentlichen Konsequenzen für das Wachstum, da die Binnenkonjunktur in Deutschland stabil geblieben sei und Anzeichen für eine Entspannung des Handelsstreits zwischen den USA und China erkennbar seien.

Die Verträge für deutsche Waren gingen gegenüber dem Vormonat um 1,3% zurück und verzeichneten nach Angaben des Wirtschaftsministeriums den stärksten Rückgang seit Juli. Dies hat die Reuters-Konsensprognose für einen Anstieg um 0,3% durcheinander gebracht.

Die Nachfrage aus anderen Ländern sank um 3,1%, der größte Rückgang seit Februar. Die Bestellungen von inländischen Kunden stiegen um 1,6%. Der Wert für Oktober wurde von einem zuvor gemeldeten Rückgang von 0,4% auf 0,2% angehoben.

Die DIHK-Ökonomin Katharina Huhn sagte, dass sich die Bestellungen aus der Eurozone erheblich abgeschwächt hätten, was auf ein allgemeines Unwohlsein in der Region hindeutet.

„Neben dem Rückgang der Auslandsaufträge ist auch die Inlandsnachfrage allmählich zurückgegangen“, warnte Huhn.

Ohne Großaufträge stiegen die Industrieaufträge im November um 1,0%. Der Auftragseingang habe sich in den letzten Monaten auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.

„Gleichzeitig haben sich die Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe etwas aufgehellt. Die Aussichten für die industrielle Aktivität haben sich also etwas verbessert “, sagte das Ministerium.

Die deutsche Geschäftsmoral stieg im Dezember auf ein Sechsmonatshoch. Eine Umfrage des ifo Instituts ergab im vergangenen Monat, dass sich die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal trotz der Probleme im verarbeitenden Gewerbe erholt hat.

Die deutsche Wirtschaft dürfte 2019 um 0,5% gewachsen sein, nach 1,5% im Jahr 2018. Das Statistikamt veröffentlicht vorläufige Daten zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts am 15. Januar.

Für 2020 prognostiziert die Regierung ein Wachstum von 1,0%, unterstützt durch eine höhere Anzahl von Arbeitstagen. Berlin prognostiziert kalenderbereinigt ein Wachstum von 0,6% in diesem Jahr.