Die Bundesregierung wird die Wirtschaftsprofessorin und Regierungsberaterin Isabel Schnabel in den Vorstand der Europäischen Zentralbank berufen, was eine potenziell wichtige Änderung in Strategie und Politik bedeuten wird.

Prof. Schnabel wird als weniger geldpolitisch eingestuft und steht der EZB weniger konfrontativ gegenüber als viele der jüngsten deutschen Kandidaten für die Spitzengruppe der Zentralbank, von denen einige aus Protest gegen ihre wichtigsten Entscheidungen aufgehört haben.

Die 48-Jährige soll Sabine Lautenschläger ersetzen, die im vergangenen Monat angekündigt hatte, zwei Jahre vor Ablauf ihres Mandats aus dem EZB-Vorstand auszutreten, nachdem sie die jüngste Lockerung der Geldpolitik öffentlich kritisiert hatte.

Berlin beschloss, eine weitere Frau zu ernennen, um Christine Lagarde nicht als einziges weibliches Mitglied des 25-köpfigen EZB-Rats zu verlassen, nachdem sie Anfang November Mario Draghi als Präsidentin abgelöst hatte.

Die endgültige Auswahl fiel auf die Entscheidung zwischen Claudia Buch, Vizepräsidentin der deutschen Zentralbank, und Prof. Schnabel, so die Experten.

Lautenschläger war Vizepräsidentin der Bundesbank, bevor sie zur EZB wechselte, ebenso wie Jürgen Stark, der aus Protest gegen das Versprechen der Zentralbank, während der Schuldenkrise in der Eurozone Staatsanleihen zu kaufen, als Chefökonom der EZB ausschied.

Berlin möchte möglicherweise das Image der Zentralbank in Deutschland verbessern, indem es gegen die Tradition verstößt, hochrangige Bundesbankbeamte für das wichtige Entscheidungsgremium der EZB zu gewinnen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat die geldpolitische Lockerungsstrategie von Herrn Draghi stets kritisiert und in einem deutschen Verfassungsgerichtsprozess sogar gegen die EZB über das Anleihekaufprogramm der Zentralbank ausgesagt.

Die Entscheidung zur Ernennung von Prof. Schnabel wird auf Vorschlag des Finanzministers Olaf Scholz in der Kabinettssitzung am Mittwoch förmlich getroffen. Die Nachricht von ihrer Nominierung wurde am Dienstag von einem hochrangigen Regierungsbeamten bestätigt. Es bedarf der Genehmigung durch das Europäische Parlament und die Staatsoberhäupter der EU.