Die Polizei des westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (NRW) wird die Staatsangehörigkeit aller Verdächtigen in der Pressekommunikation bekannt geben, wenn dies zweifelsfrei feststellbar ist, teilte das Landesinnenministerium am Montag in Düsseldorf mit.

Das Dekret über die Kommunikationspolitik der Polizei werde derzeit überarbeitet, fügte das Ministerium hinzu.

Die Politik zur Offenlegung der Staatsangehörigkeit eines Verdächtigen ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In vielen Staaten wird die Staatsangehörigkeit nur dann offengelegt, wenn sie für die Art der begangenen Straftat als relevant erachtet wird, beispielsweise wenn sie als Motivationsfaktor dient.

NRW-Innenministerin Herbet Reul sagte, der Wechsel sei Teil eines Strebens nach mehr Transparenz.

Die Praxis, festzustellen, ob die Staatsangehörigkeit von Verdächtigen für ein Verbrechen relevant ist, wird in Deutschland häufig kontrovers diskutiert. Ziel des Verbots der Staatsangehörigkeit ist es, die Diskriminierung von Minderheiten zu vermeiden, indem Straftaten kategorisch mit dem Herkunftsland und nicht mit einer bestimmten Person und ihren besonderen Umständen in Verbindung gebracht werden.

Einige werfen der deutschen Polizei und den Medien jedoch vor, die Staatsangehörigkeit in Fällen, in denen Ausländer beteiligt sind, absichtlich zurückzuhalten, um die Kritik an Angela Merkels Einwanderungspolitik zu dämpfen, mit der 2015 über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland eingereist sind.

Ein besonders bedeutender Fall war die massenhafte sexuelle Belästigung von Frauen in der nordafrikanischen Stadt Köln am Silvesterabend 2015. Bei den später identifizierten Verdächtigen handelte es sich in erster Linie um nordafrikanische Verdächtige. Die Veranstaltung führte zu Anschuldigungen, dass die Polizei und die deutschen Medien die Staatsangehörigkeit der beteiligten Verdächtigen zunächst vertuscht hätten.

Die Veröffentlichung eines Verdächtigen in den Medien muss nach Richtlinien des Deutschen Presseverbandes im öffentlichen Interesse begründet sein. Schwere Straftaten wie Mord oder Terrorismus fallen in diese Kategorie.