Die deutschen Behörden haben den ehemaligen Audi-Chef im Rahmen einer Untersuchung des VW-Abgasskandals wegen Betrugs angeklagt. Rupert Stadler wird auch falsche Zertifizierung und kriminelle Werbepraktiken vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft behauptet, er habe gewusst, dass Hunderttausende von Audi, Porsche und VW-Fahrzeugen Software enthielten, mit der Schadstofftests betrogen werden konnten, die jedoch ein Auge zugedrückt habe. Stadler hat Fehlverhalten bestritten.

Der VW-Dieselagat-Skandal brach im September 2015 aus, als sich herausstellte, dass VW in 600.000 in den USA und weltweit verkauften Fahrzeugen sogenannte „Cheat-Geräte“ verbaut hatte.

Seitdem musste der Autobauer, dem Audi und Porsche gehören, rund 30 Milliarden US-Dollar für Bußgelder und Vergleiche aufwenden. Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn wurde ebenfalls wegen Betrugs angeklagt, während viele andere noch untersucht werden.

Am Mittwoch teilte die Staatsanwaltschaft in München mit, dass Herr Stadler zusammen mit drei anderen Angeklagten, die nicht namentlich genannt wurden, wegen der Angelegenheit angeklagt worden sei.

Die Anklage bezog sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 250.000 Autos der Marke Audi, 112.000 Porsche und 72.000 Volkswagen, die in den USA und in Europa verkauft wurden. „Der Angeklagte Stadler wird beschuldigt, die Manipulationen spätestens seit Ende September 2015 zur Kenntnis genommen zu haben, aber er hat den Verkauf betroffener Audi und VW-Fahrzeuge danach nicht verhindert“, sagte der Staatsanwalt.

„Fahrzeuge mit den betroffenen Motoren wurden anschließend in großer Stückzahl verkauft und in Verkehr gebracht.“

Herr Stadler wurde im Juni letzten Jahres verhaftet und im Rahmen einer breiteren Untersuchung des Emissionsbetrugs bei Audi in Gewahrsam genommen. Volkswagen beendete später seinen Vertrag unter Berufung auf die strafrechtliche Untersuchung. Audi erklärte am Mittwoch, es sei im Interesse des Unternehmens, seiner Aktionäre und Mitarbeiter, die Probleme zu klären, die zur Dieselkrise geführt haben.

Aber es fügte hinzu: „Bis dies geschehen ist, muss die Unschuldsvermutung vorherrschen.“ Die Ermittlungen gegen 23 weitere Verdächtige dauern an, fügte die Staatsanwaltschaft München hinzu.