Als die Nervenchirurgin Dr. Susan Mackinnon Hilfe brauchte, um eine Operation abzuschließen, griff sie, wie so oft, nach einem Anatomiebuch aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Dank der komplexen handgezeichneten Illustrationen, die den menschlichen Körper Schicht für Schicht zurückschälen, konnte Dr. Mackinnon von der Washington University in St. Louis den Eingriff abschließen.

Das Buch, das sie verwendet hatte, die harmlos klingende topografische Pernkopf-Anatomie des Menschen, gilt weithin als das beste Beispiel für anatomische Zeichnungen auf der Welt. Es ist detailreicher und farbintensiver als jedes andere.

Haut, Muskeln, Sehnen, Nerven, Organe und Knochen werden grafisch detailliert dargestellt. Es ist nichts für schwache Nerven. Das oft als Pernkopf-Atlas bezeichnete Buch ist jedoch nicht mehr gedruckt.

Das liegt daran, dass die Erkenntnisse des Buches aus den Leichen von Hunderten von Menschen stammen, die von den Nazis getötet wurden. Es sind ihre Körper – zerschnitten und zerlegt -, die auf Tausenden von Seiten gezeigt werden.

Das Buch war ein 20-jähriges Projekt eines prominenten Nationalsozialisten und Arztes, Eduard Pernkopf, der durch die akademischen Reihen in Österreich aufstieg. Tausende Exemplare des Atlas wurden weltweit verkauft und in fünf Sprachen übersetzt.

Kritiker sagen, das Buch sei von seiner dunklen Vergangenheit befallen, und Wissenschaftler haben sich mit der Ethik auseinandergesetzt, die mit seiner Verwendung verbunden ist.

Dr. Mackinnon sagt, sie fühle sich mit seiner Herkunft unwohl, aber die Verwendung des Buches ist ein wesentlicher Bestandteil der „ethischen Chirurgin“ – und sie könne ihre Arbeit ohne dieses Buch nicht machen.

Mehr als 60 Jahre später ist der Atlas laut Dr. Hildebrandt, der Anatomie unterrichtet, immer noch eine der besten Quellen für visuelle Informationen für detaillierte anatomische und chirurgische Arbeiten.

Dr. Jonathan Ives, ein Bioethiker der Universität Bristol, stimmt zu, dass der Atlas „unglaublich detailliert“ ist, sagt aber, dass er von seiner „schrecklichen Vergangenheit“ befallen ist.

„Wenn wir es nutzen und die Vorteile nutzen, die es mit sich bringt, sind wir irgendwie mitschuldig“, sagt er.