Ein Berliner Gericht hat entschieden, dass die Regierung die deutsche Frau eines mutmaßlichen Kämpfers der Gruppe Islamischer Staat (IS) und ihre drei Kinder repatriieren muss. Das Gericht sagte, die Kinder würden leiden, wenn sie im al-Hol-Flüchtlingslager in Syrien bleiben würden.

Der Fall kam zustande, weil die Familie der Frau das Außenministerium verklagt hatte, nachdem sich Beamte geweigert hatten, ihr bei der Rückkehr nach Deutschland zu helfen. Es ist das erste derartige Urteil im Land.

Bisher war Deutschland bereit, einigen Kindern die Einreise ohne Mutter zu gestatten, aus Angst, die Frauen könnten radikalisiert werden und die deutsche Gesellschaft gefährden.

In diesem Fall erklärte das Gericht, „Untätigkeit“ bedeute, dass die drei Kinder mit „schwerwiegenden, unvernünftigen und unvermeidbaren Nachteilen“ konfrontiert würden. Die Kinder sind acht, sieben und zwei Jahre alt, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Mutter stammt aus dem Bundesland Niedersachsen.

Dutzende deutsche Ehefrauen mutmaßlicher IS-Kämpfer und mindestens 100 Kinder leben unter schrecklichen Bedingungen in syrischen Flüchtlingslagern. Männer, die nach ihrem Beitritt zum IS nach Deutschland zurückkehren, werden fast immer strafrechtlich verfolgt. Bisher suchten Staatsanwälte jedoch eher nach Beweisen, bevor sie strafrechtliche Ermittlungen gegen Frauen einleiteten.

Dies änderte sich jedoch im Dezember 2017, als bekannt wurde, dass Männer und Frauen, die im Verdacht stehen, im Ausland IS beizutreten, nicht anders behandelt würden.

Die extremistische islamistische Gruppe erlangte 2014 in weiten Teilen Syriens und des Irak internationale Bekanntheit. Nach fünf Jahren heftiger und blutiger Kämpfe haben lokale Streitkräfte, unterstützt von Weltmächten, den IS aus allen Gebieten vertrieben, die er einst kontrollierte.

Aber die Gruppe ist keineswegs besiegt. Experten sagen, dass es beim Wiederaufbau zu seinen aufständischen Wurzeln zurückkehren wird und weiterhin eine globale Bedrohung darstellt.