Die katholische Kirche in Deutschland verlor 2018 216.078 Mitglieder und die evangelischen Kirchen 220.000. Insgesamt sind noch rund 23 Millionen deutsche Staatsbürger Mitglieder der katholischen Kirche und 21,14 Millionen Mitglieder der protestantischen Kirchen. Die beiden Gruppen machen 53,2% der Gesamtbevölkerung des Landes von über 83 Millionen aus.

Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, bezeichnete die Zahlen vom Freitag als „beunruhigende“ Statistik.

„Jede Abreise tut weh“, sagte der EKD-Präsident Heinrich Bedford-Strohm. „Da die Menschen heute anders als früher aus freien Stücken entscheiden, ob sie der Kirche angehören wollen, ist es uns heute wichtig, noch deutlicher zu machen, warum die christliche Botschaft eine so starke Lebensgrundlage darstellt.“

Die Mitgliedschaft in der Kirche kann offiziell durch persönliche Erklärung bei einer örtlichen Regierungsbehörde, manchmal einem Bezirksgericht, widerrufen werden. Es ist nicht erforderlich, einen Grund für den Wunsch anzugeben, abzureisen.

Sofern sie ihre Mitgliedschaft nicht mit einer offiziellen Erklärung kündigen, zahlen Mitglieder der katholischen und der protestantischen Kirche bis zu 9% ihres zu versteuernden Einkommens als Kirchensteuer und erwirtschaften für beide Organisationen ein Einkommen in Milliardenhöhe. Das Geld wird automatisch abgezogen, genau wie die Lohnsteuer oder die Sozialversicherung.

Die Kirchenmitgliedschaft in Deutschland ist seit Jahren rückläufig.

Eine im Mai von der Universität Freiburg veröffentlichte Studie ergab, dass die Zahl der Angehörigen der beiden Hauptkirchen Deutschlands bis 2060 um die Hälfte sinken wird. Die Hauptgründe für die Ablehnung der Mitgliedschaft in den beiden Kirchen seien der Austritt von Erwachsenen aus der Kirche, weniger Taufen und eine alternde Bevölkerung, sagten die Forscher.

Die Studie prognostizierte, dass die Mitgliederzahl beider Kirchen von derzeit 45 Millionen bis 2035 auf 34,8 Millionen und bis 2060 auf 22,7 Millionen sinken wird.

Obwohl es keine Statistiken zu den Gründen für die Abgänge gibt, deuten Umfragen, die von Beamten in den letzten Monaten durchgeführt wurden, auf einen Zusammenhang mit sexuellen Missbrauchsskandalen hin, an denen die katholische Kirche beteiligt ist.