Bundesbank

Nach der Veröffentlichung düsterer offizieller Zahlen wächst die Besorgnis über die Stärke der deutschen Wirtschaft – der größten in der Eurozone. Die Industrieproduktion ging im April gegenüber dem Vormonat um 1,9% zurück, und die Ausfuhren lagen um 0,5% unter dem Vorjahreswert.

Inzwischen spiegeln neue Prognosen der Bundesbank die positiveren Aussichten wider. Für das laufende Jahr prognostiziert die Bank ein Wachstum von lediglich 0,6% nach 1,6% im Dezember. Die Bundesbank prognostiziert für das laufende Quartal sogar einen leichten Konjunktureinbruch, rechnet jedoch für das kommende Jahr mit einer leichten Erholung des Wachstums auf 1,2%.

Deutschland ist besonders der Unsicherheit ausgesetzt, die den internationalen Handel beeinträchtigt. Es ist ein Produktionskraftwerk und verkauft einen großen Teil dessen, was es im Ausland produziert. Nur die viel größeren Volkswirtschaften der USA und Chinas exportieren mehr Waren. Chinas konjunkturelle Abkühlung hat Deutschland geprägt. Es ist ein wichtiger Markt für die deutsche Industrie.

Es gibt auch das, was die Bundesbank allgemein als „verhaltenen Ausblick“ für den Handel bezeichnet. Die Bank sagt, dass Streitigkeiten den globalen Handel belasten. Das ist ein Hinweis auf die Politik der Trump-Administration. Europa war von den Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffen, die die USA verhängt hatten, da die Importe der Metalle nach Ansicht der US-Regierung die nationale Sicherheit gefährdeten. Vor allem Deutschland wird exponiert sein, wenn die USA beschließen, zusätzliche Zölle auf Autoimporte zu erheben, was Präsident Trump erwägt. Es gibt auch einen größeren Einfluss auf das Vertrauen in den internationalen Handel, der sich aus den Zollerhöhungen ergibt, die die USA und China einander auferlegt haben.

Diese Wolken über Deutschland spiegelten sich zum Teil in den Bewegungen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag wider. Die EZB gab an, dass ihre Niedrigstzinsen voraussichtlich bis mindestens Mitte 2020 bestehen bleiben werden, also sechs Monate länger als die zuvor gegebenen Prognosen.

Einige Mitglieder des politischen Entscheidungsgremiums der EZB haben auch die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen oder die Wiederaufnahme des quantitativen Lockerungsprogramms der Bank angesprochen und mit neu geschaffenem Geld finanzielle Vermögenswerte gekauft.

Es sei daran erinnert, dass in Deutschland die Arbeitslosigkeit sehr niedrig ist – fast die niedrigste der Industrieländer. Das heißt, es ist kein gutes Zeichen für die Eurozone, dass ihre größte Volkswirtschaft einen schwachen Fleck hat.