The German chemical company Brenntag defends its deliveries to Syria

Ein deutscher Chemie-Großhändler, Brenntag, bestritt die Umgehung der EU-Exportbestimmungen für beschränkte Chemikalien, von denen einige 2014 nach Syrien geliefert wurden. Eine Schweizer Tochtergesellschaft von Brenntag lieferte Isopropanol und Diethylamin nach Syrien. Sie können in Arzneimitteln verwendet werden, können aber auch zur Herstellung der Nervenstoffe Sarin und VX verwendet werden.

Laut Brenntag entsprachen die Lieferungen auch dem schweizerischen Recht. Laut UN-Experten haben syrische Regierungstruppen wiederholt chemische Waffen eingesetzt.

Brenntag bestätigte, dass Isopropanol und Diethylamin über seine Tochtergesellschaft Brenntag Schweizerhall AG „gemäß geltendem Recht“ nach Syrien geliefert wurden. „Brenntag hat die Exportbeschränkungen der EU nicht umgangen“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Die Chemikalien sollten ein Analgetikum produzieren, hieß es.

Die Aktien von Brenntag gaben am Mittwoch um rund 6% nach. Brenntag mit Sitz in Essen bezeichnet sich als Weltmarktführer in der Chemiedistribution. Es ist in 76 Ländern tätig und beschäftigt mehr als 16.600 Mitarbeiter.

Der Syrien-Deal wurde erstmals von der Süddeutschen Zeitung, dem Bayerischen Rundfunk und dem Schweizer Konzern Tamedia gemeldet. Im März erklärte die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zur Untersuchung des Syrienkrieges, die Streitkräfte von Präsident Bashar al-Assad seien im Zeitraum 2013-2019 hinter 32 von 37 chemischen Angriffen zurückgeblieben, darunter der Einsatz von Chlor und Sarin.

Die syrische Regierung bestreitet den Einsatz chemischer Waffen. Im Jahr 2014 entfernten oder zerstörten Experten der Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) nach einem Angriff von Sarin in der Nähe von Damaskus 1.180 Tonnen deklarierte giftige Stoffe und chemische Vorläufer in Syrien. Weitere chemische Angriffe wurden jedoch später gemeldet, als die Kämpfe fortgesetzt wurden.

In Bezug auf Brenntags Chemikalienexporte gibt die Nachrichtenagentur Reuters an, dass die Staatsanwälte von Essen eine Beschwerde von drei Nichtregierungsorganisationen erhalten haben: der New Yorker Open Society Justice Initiative, dem Berliner Syrian Archive und dem Schweizer Trial International. Die Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob eine förmliche Untersuchung der Lieferungen eingeleitet werden soll.