The German blogger of the year was not honored for inventing the Holocaust past of his family

Einer preisgekrönten deutschen Historikerin wurde ein nationaler Blogging-Preis entzogen, nachdem sie die Geschichten von 22 jüdischen Verwandten erfunden hatte, die sie als „im Holocaust gestorben“ bezeichnete.

Die 31-jährige Marie-Sophie Hingst konnte sich dank ihrer lebendigen Berichte über die Familie ihrer Großmutter, die im Zweiten Weltkrieg in nationalsozialistischen Vernichtungslagern getötet worden war, bekannt werden. Ihr Blog 2013 „Read on my Dear, read on“ zog fast 250.000 Leser an und brachte sie in die Öffentlichkeit.

Auf der Plattform erzählte sie erschreckende Geschichten über ihre Vorfahren und beschrieb, wie ihr Urgroßvater, seine Frau und vier ihrer Töchter in Auschwitz ermordet wurden. Nur ihre Großmutter konnte die Familienlinie weiterführen.

Eine Untersuchung einer Studienkollegin aus Berlin, Gabriele Bergner, ergab jedoch, dass Dr. Hingsts Familie protestantisch war und ihr Urgroßvater 1940 nicht nach Auschwitz hätte geschickt werden können, weil das Lager zu diesem Zeitpunkt keine Gefangenen aus Deutschland hatte Zeit. Dr. Bergner, eine Ahnenforscherin, war misstrauisch gegenüber den ausführlichen Geschichten gewesen, und so fing sie an, über Dr. Hingsts Familienunterlagen nachzudenken.

Sie stellte bald fest, dass mindestens sechs der Angehörigen, deren Tod Yad Vashem gemeldet worden war, offenbar nicht existierten und dass die Großmutter der 31-jährigen, Helga Brandl, eine christliche Zahnärztin war, die mit einem protestantischen Pastor namens Rudolf Hingst verheiratet war. Die Ergebnisse wurden in der deutschen Veröffentlichung Der Spiegel bekannt gegeben, was bei ehemaligen Bewunderern des Historikers Empörung hervorrief.

Dr. Hingsts Blog-Preis wurde am Montag zurückgezogen, ihre Website wurde gesperrt und ihre angeblich falschen Berichte wurden Yad Vashem gemeldet. Ihre Anwältin sagte gegenüber Der Spiegel, dass die Arbeit der Historikerin „Literatur, nicht Journalismus oder Geschichte“ sei und dass sie „ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit beanspruche“. Er betonte, dass sie die Blogeinträge nicht aus Gründen des Ruhmes geschrieben habe, sondern um „schwere Depressionen zu bekämpfen“.