Brigitte Bierlein becomes first Chancellor of Austria after video scandal

Österreich hat Brigitte Bierlein zur Interimskanzlerin ernannt – die erste Frau, die das Amt innehat – vor den vorgezogenen Wahlen. Sie ersetzt Sebastian Kurz, dessen Regierung wegen eines Videostichskandals das Vertrauen in das Parlament verloren hat.

An dem Skandal war der rechtsextreme Verbündete von Herrn Kurz, Heinz-Christian Strache, beteiligt, der heimlich eine Frau, die sich als Nichte eines russischen Oligarchen ausgibt, mit öffentlichen Aufträgen beworben hat. Eine vorgezogene Wahl im September wird erwartet.

Die Ernennung von Frau Bierlein (69) wurde von Präsident Alexander Van der Bellen angekündigt. Die Wahl wurde mit den österreichischen Parteiführern abgestimmt. Sie ist seit 2003 Präsidentin des österreichischen Verfassungsgerichts und hatte zuvor leitende Positionen in Wien inne. Der Zusammenbruch der Koalitionsregierung von Kurz hat den Technokraten den Weg geebnet, Schlüsselpositionen in einer Übergangsregierung einzunehmen.

Frau Bierlein wurde 1949 in Wien geboren und strebte danach, Künstlerin zu werden. Letztendlich entschied sie sich jedoch für eine juristische Laufbahn. Auf Anraten ihrer Mutter studierte sie an der Universität Wien und schloss ihr Studium 1971 ab. Ihre Karriere verlief erfolgreich und sie wurde mit 27 Jahren Staatsanwältin. 1990 wurde sie zur Generalanwältin der österreichischen Staatsanwaltschaft ernannt und war die erste Frau, die diese Position zu haben.

Politisch gilt sie als rechtsextrem mit sozial konservativen Ansichten. Letztes Jahr sagte sie, die Verabschiedung eines Gesetzes, das muslimischen Mädchen das Tragen von Kopftüchern in Grundschulen verbieten soll, sei “problematisch”. Sie schien der Koalitionsregierung zu widersprechen und sagte gegenüber Der Standard: “Alle Religionsgemeinschaften sollten gleich behandelt werden.”